Moderne Lagerhaltung und Logistik

Die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen beruht auf vielfältigen Faktoren wie etwa Produktqualität, Preispolitik, Marketingstrategien, Produktionsbedingungen sowie Lagerhaltung und Logistik. Ein unübersehbarer Wandel innerhalb der letzten Jahre hat dazu geführt, dass die Logistik weniger durch die Unternehmen selbst geprägt wird, sondern eher als adäquate Reaktion der jeweiligen Unternehmensführung auf verändertes Kaufverhalten der Kunden einzustufen ist.

Veränderte Anforderungen an Unternehmen

Unternehmen sehen sich heute unter anderem mit kürzeren Bestellzyklen, kleineren Bestellmengen bei gleichzeitig größerer Produktvarianz an georderten Artikeln, gesunkenen Vorlaufzeiten und verkürzten Innovationszeiten konfrontiert. Daraus folgt das Erfordernis höchster Flexibilität in der Produktion wie etwa eine auftragsbezogene Fertigung. Bestimmten früher die Bereiche Produktivität, Wirtschaftlichkeit und Rentabilität die betriebswirtschaftliche Perspektive, erweitert sich die Unternehmenspolitik heute um marktnahe Komponenten wie beispielsweise Erhöhung der Lieferbereitschaft oder optimale Durchlaufzeiten. Individuell auf das Unternehmen abgestimmten Lager- und Kommissioniersystemen kommt dabei eine hohe Bedeutung zu.

Unterschiedliche Lagerarten

Zu den Aufgaben eines Lagers gehören klassische Funktionen wie die Vorratshaltung und das Puffern sowie Verteilen von Gütern. Erweiterte Funktionen beinhalten beispielsweise das Verpacken und die Bildung von Ladeeinheiten. Dementsprechend differenzieren sich Lager in Vorrats-, Puffer- und Verteillager. Die verschiedenen Lagermittel für Stückgut lassen sich in Boden- und Regallagerung sowie in Lagerung auf Fördermitteln einteilen. Bei der Bodenlagerung handelt es sich um eine ausschließlich statische Lagerung. Die Regallagerung hingegen bietet die Möglichkeit, Güter sowohl statisch als auch dynamisch zu lagern.

Gezielte Optimierung von Lagersystemen

Das Thema Lagerhaltung und Logistik erfuhr vor nicht allzu langer Zeit noch eine eher stiefmütterliche Behandlung seitens der Unternehmen. Inzwischen haben Manager erkannt, dass sich in diesen Bereichen erhebliches Einsparpotenzial zeigt. Mit der Entwicklung zahlreicher neuer Systeme, die zur Steigerung der Effizienz und Effektivität von Lagern bei gleichzeitiger Kostensenkung beitragen, bieten sich heute vielfältige neue Möglichkeiten. Zwei grundlegende Ziele verfolgt die Optimierung von Lagersystemen: Zum einen ist dies die Abwicklung von Warentransaktionen in kürzester Zeit, zum anderen die Einsparung von Lagerflächen. So lassen sich heute mehr Güter, Produkte und Waren auf weniger Raum lagern.

Vom massiven Lagerhaus zur Systemhalle

Immer seltener errichten Unternehmen heute neue Lagerhäuser in konventioneller Massivbauweise, sondern präferieren die sogenannten Systemhallen, die sich durch verschiedene Vorteile auszeichnen. So sind solche Hallen kostengünstig, können innerhalb weniger Tage aufgebaut werden und lassen sich bei veränderten Anforderungen erweitern. Zu einer modernen Lagerhaltung gehört die Nutzbarmachung aller Flächen. Mit Vertikalförderbändern gelingt es beispielsweise, auch die Höhe eines Raumes in die Planung des Lagers einzubeziehen. Somit ergibt sich insgesamt eine größere Fläche, die sich logistisch nutzen lässt. Kostspielige Neu- und Umbauten entfallen dadurch eventuell sogar.

Lagersysteme

Unabhängig davon, ob eine klassische Lagerhalle oder eine moderne Systemhalle genutzt wird, steht und fällt die Lagerlogistik mit den eingesetzten Lagersystemen. Dazu zählen Regalsysteme, die nahezu immer einem modularen Aufbau folgen. Dadurch können sie kurzfristig erweitert oder modifiziert werden, zum Teil lassen sie sich relativ einfach umwidmen und somit für andere Lagerzwecke nutzbar machen. Optimierte Umladeplätze für Verpackung sowie Abfertigung der Lagergüter spielen ebenfalls eine wichtige Rolle, denn bei mangelhafter Gestaltung dieser Systeme droht das Risiko von Zeitverlusten.

Computergestützte Lager- und Kommissioniersysteme

Eine große Unterstützung bei der effizienten Lagerverwaltung ist die fortschreitende Entwicklung der elektronischen Datenverarbeitung. Kommunikations- und Datenbanksysteme sowie Mikroprozessortechniken dienen zur Einbindung von Logistikkonzepten in den Unternehmen. Die Tendenz zur umfassenden Integration der EDV setzt sich beim Aufbau neuer Lager- und Kommissioniersysteme fort. Automatisierte Systeme kommen heute immer häufiger zum Einsatz. Mithilfe von Computern werden beispielsweise Lagerbewegungen registriert, durchgeführt oder Waren entsprechend verpackt und abgefertigt. Intelligente Warenflusslösungen und automatisierte Logistik sorgen dafür, dass sich Personalkosten reduzieren und Aufträge effizient und schnell ausgeführt werden. Da sich die Lagertechnik stetig weiterentwickelt und ihre Einsatzgebiete vielfältig sind, stellen sich an die Planung und Gestaltung von Lagern hohe Anforderungen. Optimale Lösungen weisen eine maßgeschneiderte technische und technologische Ausstattung auf, erleichtern die Organisation und tragen zum wirtschaftlichen Unternehmenserfolg bei.

Bei der Kommissionierung mittels mobiler Datenerfassung bieten sich unter anderem die Vorteile, dass der aktuelle Status durch die direkte Verbindung zum Lagerverwaltungssystem laufend verfolgt werden kann und die Aktualisierung der Bestandsdaten stetig erfolgt. Falsche Standorte von Artikeln oder Greiffehler von Mitarbeitern führen zu Problemen bei der Kommissionierung. Aus diesem Grund werden verschiedene Verfahren eingesetzt, die die automatisierte Identifikation und Datenerfassung erlauben. Dies gewährleistet, dass der Lagermitarbeiter nicht nur den richtigen Platz ansteuert, sondern auch den korrekten Artikel entnimmt.

Industrie 4.0

Mit der ersten industriellen Revolution verbindet sich die Mechanisierung von Wasser- und Dampfkraft, mit der zweiten geht die Massenfertigung unter Nutzung von Fließbändern und Energie einher. Daran schließt sich die digitale Revolution an, die den Einsatz von Elektronik und IT-Technologien beinhaltet und mit einer weiteren Produktionsautomatisierung verbunden ist. Der Begriff Industrie 4.0 bringt zum Ausdruck, dass die Wirtschaft nunmehr an der Schwelle einer vierten Revolution steht, getrieben durch das World Wide Web, wodurch sich ein Zusammenwachsen der realen und virtuellen Welt als „Internet der Dinge“ ergibt. Das Schlagwort Industrie 4.0 bezeichnet ein Zukunftsprojekt der deutschen Bundesregierung, das darauf abzielt, Industrieunternehmen dabei zu unterstützen, sich für zukünftige Produktionsformen zu rüsten. Dies schließt die Logistik und Lagerhaltung ein, da sich mit der Digitalisierung von Prozessen für die Unternehmen erhebliche Optimierungspotenziale eröffnen. Gesamtziel des Projektes Industrie 4.0 ist die intelligente Fabrik, die sich durch mehrere Faktoren auszeichnet: Ressourceneffizienz, Wandlungsfähigkeit, Ergonomie sowie die Integration der Kunden und Geschäftspartner in Geschäfts- und Wertschöpfungsprozesse.

Zum Konzept der Industrie 4.0 gesellt sich die Idee des Lean Managements, die sich inzwischen weltweit in vielen Branchen als erfolgreich erweist. Der Grundgedanke ist dabei die Schaffung von Werten ohne Verschwendung. Ursprünglich auf den Herstellungsprozess von Gütern beschränkt, wird Lean Management heute auch bei anderen Geschäftsprozessen, wie etwa bei der Auftragsabwicklung, eingesetzt. Vor dem Hintergrund, dass Ressourcenschonung und Zeit heute wesentliche Faktoren im Geschäftsleben darstellen, ist dieses Management-Konzept auch für eine moderne Lagerhaltung und Logistik interessant. So können sich Unternehmen einen grundlegenden Wettbewerbsvorteil sichern, wenn sie sämtliche Möglichkeiten dieser Bereiche ausschöpfen.