E-Bikes auf der Überholspur

Starkes Wachstum des Gesamtmarkts und überproportional starke Zunahme der E-Bike-Verkäufe – so lässt sich die Entwicklung des Fahrradmarktes im Jahr 2014 zusammenfassen. Auch mittel- und langfristig sehen Branchenexperten Anlass zu Optimismus und sind überzeugt, dass der Trend zum Elektrofahrrad unvermindert anhalten wird.

E-Bike-Verkäufe wachsen schneller als der Markt

Deutschland wird immer mehr zum Land der Radfahrer und auch die Zahlen für 2014 sprechen eine deutliche Sprache. Denn im vergangenen Jahr wuchs der Absatz von Fahrrädern hierzulande um fast 8 Prozent. Besonders eindrucksvoll fiel auch im vergangenen Jahr wieder das Wachstum der E-Bike-Verkäufe aus, die gegenüber dem Vorjahr um 17% zunahmen. Von 4,1 Millionen verkauften Fahrrädern waren damit bereits 480.000 Exemplare E-Bikes, was einem Anteil von etwa 12% entspricht. Die ganz überwiegende Mehrheit der hierzulande verkauften E-Bikes waren sogenannte Pedelecs – also Elektrofahrräder, bei denen der Elektroantrieb nur arbeitet, wenn gleichzeitig in die Pedale getreten wird, und bei denen die Höchstgeschwindigkeit auf 25 km/h begrenzt ist.

Alle Erwartungen übertroffen

Seit Jahren verzeichnet der E-Bike-Markt ein starkes Wachstum, doch das eindrucksvolle Verkaufsplus für 2014 hat selbst die Branchenexperten überrascht. So hatte der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV), der Branchenverband der Fahrradhersteller, mit 450.000 neu verkauften Elektrofahrrädern gerechnet. Doch der E-Bike-Markt übertraf selbst diese optimistische Prognose für 2014 noch einmal um etwa 30.000 Stück. Dass das kräftige Wachstum des vergangenen Jahres kein einmaliges Ereignis bleiben wird, sondern für einen mittel- bis längerfristigen Trend steht, davon sind die Experten des ZIV überzeugt.

Schon über 2,1 Millionen E-Bikes

Bereits mittelfristig wird mit einem Marktanteil der Elektrofahrräder von 15% am Gesamt-Fahrradmarkt gerechnet. Nachdem sich die Prognosen der Branchenexperten zuletzt immer als ausgesprochen konservativ erwiesen hatten, würde es niemanden überraschen, wenn das tatsächliche Wachstum sogar noch dynamischer ausfiele. Bereits heute sind auf Deutschlands Straßen 2,1 Millionen E-Bikes unterwegs. Damit haben die deutschen Fahrradhersteller geschafft, wovon die Autoindustrie bislang nur träumen kann: Elektromobilität als Massenphänomen. Wie aber erklärt sich der Erfolg der Fahrräder mit Elektroantrieb?

Drei Gründe für den Erfolg der E-Bikes

Eine nur untergeordnete Rolle für das überdurchschnittlich hohe Wachstum der E-Bike-Verkäufe, darin sind sich Marktbeobachter einig, spielten die verhältnismäßig schwachen Zahlen für 2013, als unter anderem schlechtes Wetter hemmend auf die Nachfrage wirkte. Zwar sei deshalb im Jahr 2014 mit gewissen „Nachholeffekten“ zu rechnen gewesen, doch diese allein könnten das starke Verkaufsplus nicht erklären. Entscheidend für die sprunghaft gestiegenen Verkaufszahlen seien dagegen drei Gründe gewesen: Eine verbesserte Antriebs- und Batterietechnologie, neue Modelle der Anbieter und bessere gesetzliche Rahmenbedingungen.

Dienstfahrräder steuerlich begünstigt

Seit Ende 2012 sind Dienstfahrräder den Dienstwagen in der steuerlichen Behandlung gleich gestellt, denn das sogenannte Dienstwagenprivileg wurde auf Dienstfahrräder ausgedehnt. Das hat für Arbeitgeber und Arbeitnehmer eine Reihe von Vorteilen. Denn erstens kann der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer das Dienstfahrrad nun auch zur privaten Nutzung in der Freizeit dauerhaft überlassen, so dass der Arbeitnehmer sich kein zweites, privates Rad anschaffen muss. Zweitens können die Anschaffungskosten für das Rad vom versteuerbaren Einkommen abgezogen werden, was für Arbeitgeber und Arbeitnehmer weniger Steuern und Sozialabgaben bedeutet (im Gegenzug müssen beide lediglich ein Prozent des Anschaffungspreises als „geldwerten Vorteil“ versteuern). Und drittens kann der Arbeitnehmer, der das Dienstrad für Fahrten zur Arbeit nutzt, für jeden Kilometer pauschal 0,3 Cent steuerlich geltend machen. Die Anschaffung von Diensträdern rechnet sich daher für Arbeitnehmer und Arbeitgeber gleichermaßen – und von der durch die gesetzliche Förderung gestiegenen Nachfrage profitieren E-Bikes überdurchschnittlich stark.

Neue Einsatzmöglichkeiten

Deutlich zugenommen hat zuletzt auch der Einsatz von E-Bikes als Lastenfahrzeuge – etwa im Bereich der Warenzustellung in den Innenstädten. Dabei ist zu beobachten, dass nicht nur kleine und mittlere Unternehmen mit eigener Auslieferung (wie zum Beispiel Wäschereien oder Essensbringdienste) auf das E-Bike umsatteln, sondern zunehmend auch große Logistikunternehmen. Denn gerade in staugeplagten Großstädten haben die wendigen E-Bikes oft die Nase vorn – und das nicht nur während der Hautverkehrszeiten. In zahlreichen Metropolen werden bereits interessante B2B-Projekte entwickelt, durch die der Einsatz von E-Bikes im Lastentransport für eine noch größere Zahl von Unternehmen flexibel nutzbar sein wird.

Immer jüngere Zielgruppe

Bei der privaten Nutzung von E-Bikes waren bisher vor allem ältere Menschen die Hauptzielgruppe – doch das beginnt sich gerade zu ändern. Denn immer mehr jüngere Menschen entdecken das E-Bike für sich. Das liegt nicht nur an immer attraktiveren Modellen und neuen Produktkategorien wie etwa den E-Mountainbikes, sondern auch daran, dass die junge Generation besonders gesundheits- und umweltbewusst ist und keine so ausgeprägte Affinität zum Auto hat wie noch ihre Eltern und Großeltern. Während ältere Menschen das E-Bike daher häufig als Ersatz für ein normales Fahrrad kaufen, ist es für viele jüngere Menschen eine Alternative zum Auto – jedenfalls auf kurzen Strecken.

Fazit

Die Nachfrage nach E-Bikes ist zuletzt rasant gestiegen und wird in den kommenden Jahren weiter wachsen. Dafür sprechen nicht nur attraktive neue Modelle, sondern auch stabile Langzeittrends und die steuerliche Absetzbarkeit von E-Bikes als Dienstrad.